Preisstabilität statt Drohgebärden

Leserbrief zum Artikel „Genf ist die Drehscheibe für Rohstoffe“, Neue Zuger Zeitung vom 8.2.2016

Der Generalsekretär des Rohstoff-Branchenverbands Swiss Trading and Shipping Association unterstützt explizit, dass die Schweiz bei den internationalen Regulierungen des Rohstoffhandels mitmachen müsse, um den Marktzugang nicht zu verlieren. Dass er sich aber gegen die Einführung solcher Regulierungen bei der Nahrungsmittelspekulation von Schweizer Konzernen einsetzt, verrät, dass er reine Beschwichtigungspolitik betreibt. Die Schweiz wäre nicht das erste Land, das eine Unterscheidung zwischen Hedging (Absicherung von Produzenten und Käufern) und reiner Spekulation (bei der keine physische Lieferung von Nahrungsmitteln, sondern nur Wetten auf Preisänderungen stattfinden) vornehmen würde. In den USA praktiziert die Commodity Futures Trading Commission (CFTC) diese Unterscheidung seit mehreren Jahren. Im übrigen brächte ein Spekulationsstopp keinen bürokratischen Mehraufwand – eine einfache Dokumentationspflicht über die gehandelten Finanzinstrumente und eine Aufsichtsbehörde, deren Aufgabe die Finanzmarktaufsicht übernehmen könnte, reichen aus, um die Bestimmungen der Initiative umzusetzen.

Dass für die Bildung von Preisblasen und die damit verbundenen extremen Preisschwankungen die Spekulation einen wesentlichen Faktor darstellt, wurde zudem sowohl von der Weltbank als auch der UNO nachgewiesen.

Der Generalsekretär des Rohstoff-Branchenverbands lenkt mit seinen unbegründeten Drohgebärden von der Kernfrage der Spekulationsstopp-Initiative ab: Wollen wir mehr Preisstabilität auf dem Nahrungsmittelmarkt und damit verbunden einen Beitrag zur Bekämpfung des Welthungers leisten? Die Spekulationsstopp-Initiative gibt uns die Möglichkeit, dieses Anliegen wirksam anzugehen und umzusetzen.

Yannick Ringger, Zug

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